Die Naturwissenschaft hat eine Fülle von Ansätzen entwickelt, um heutige und künftige Probleme zu lösen.  Viele Entwicklungen stehen in den Startlöchern, können in den nächsten 20, 40, 70 Jahren Realität werden. Michio Kaku hat sich auf die Suche nach den Technologien der Zukunft gemacht.

Die Naturwissenschaft hat eine Fülle von Ansätzen entwickelt, um heutige und künftige Probleme zu lösen. Ob es darum geht, Krankheiten zu erkennen, noch bevor sie entstehen, um neue Energiequellen oder um mehr Transparenz bei Produkt- und Preisinformationen – viele Entwicklungen stehen in den Startlöchern, können in den nächsten 20, 40, 70 Jahren Realität werden. Sie bringen der Menschheit enorme Chancen und bergen zum Teil auch enorme Risiken. Michio Kaku – selbst anerkannter Wissenschaftler und hoch geschätzt für seine Fähigkeit, komplexe Gegebenheiten verständlich darzustellen – hat sich auf die Suche nach den Technologien der Zukunft gemacht.

Unsere drei liebsten Take Aways aus dem Buch:

01 Medizinische Fortschritte

Jugend und Gesundheit wünschen wir uns, und natürlich wollen wir möglichst lange leben. Dazu wollen Mediziner nicht nur Krankheiten heilen, sondern mithilfe der Biotechnologie auch unsere Körper verbessern. Zwischen 2030 und 2070 – so Kaku – wird die Gentherapie bei Erbkrankheiten eine Standardbehandlung sein. Dies gilt zumindest für Krankheiten, die durch einen einzelnen Gendefekt ausgelöst werden. Für die meisten Erbkrankheiten ist jedoch eine bestimmte Konstellationen der Gene verantwortlich. Deren Behandlung wird noch länger auf sich warten lassen.

Und wie alt können wir werden? Laut Professor Kaku könnten wir schon um 2050 den Alterungsprozess erheblich verlangsamen. Stammzellen, gezüchtete Ersatzteile und Reparaturmassnahmen am Genom könnten dazu beitragen, dass wir 150 Jahre oder älter werden. Gegen Ende des Jahrhunderts liesse sich der Alterungsprozess mehr oder minder stoppen. Einer der Interviewpartner des Autors mutmasst, dass die Menschen dann bis zu zehnmal so alt werden wie heute.

 02 Sichere Energie

Wenn es nicht gelingt, der Klimaerwärmung Einhalt zu gebieten, werden wir spätestens Mitte des Jahrhunderts vor immensen sozialen Problemen stehen, wenn nämlich Staaten wie Bangladesch und Vietnam überflutet werden. Während die Nationalstaaten sich schwertun, den Kohlendioxidausstoss einzuschränken, um ihren Volkswirtschaften nicht zu schaden, suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, das Kohlendioxid aus der Atmosphäre abzuziehen: Aerosole in die Atmosphäre schiessen, Algenblüten auslösen, aus Kraftwerken ausgestossenes CO2 verflüssigen und abscheiden, per Gentechnik Organismen schaffen, die mehr CO2 absorbieren usw.

Wenn wir diese kritische Periode überstehen, werden wir im sog. Wasserstoffzeitalter ankommen. Um aus Wasserstoff Energie zu gewinnen, werden über eine bestimmte Zeit bei hohen Temperaturen und grossem Druck Wasserstoffatome so stark zusammengedrückt, dass sie zu Helium fusionieren. Die dabei frei werdende Energie bringt das Gas dazu, sich zu entzünden. „Ein Glas mit einem Viertelliter Wasser enthält genauso viel Energie wie 500 000 Barrel Petroleum.“ Dass eine solche Kernfusion funktioniert, steht inzwischen fest. Allerdings ist die Technologie derzeit unerschwinglich teuer. Doch auch hier zeichnen sich Lösungen ab: Geforscht wird an der Fusion mithilfe von Laserstrahlen und mithilfe von Magnetfeldern.

Die Entdeckung der Elektrizität und die relativ leichte Manipulierbarkeit von Elektronen haben uns so wunderbare Dinge wie Radios, Computer und MRT-Scanner beschert. Doch gegen Ende des 21. Jahrhunderts könnten wir das Zeitalter des Magnetismus erreichen. Das Zauberwort heisst „Supraleiter“ – Kabel, die keine Energie verlieren, weil sie keinen elektrischen Widerstand haben. Kaku geht davon aus, dass man Supraleiter entdecken/erfinden wird, die bei Raumtemperatur funktionieren. Und dann könnten Autos, Züge, ja, auch Skateboards über einem Magnetfeld schweben. Eine Magnetschwebebahn in einer Vakuumröhre könnte eine Geschwindigkeit von 6400km/h erreichen. Das wird unser Verkehrswesen revolutionieren und die CO2-Emission weiter senken.

03 Gefahren und Chancen

Welche Berufe werden die Menschen in hundert Jahren ausüben? Kakus Antwort ist sicher nicht umfassend aber klar: Berufe, in denen Menschen ständig dieselben Handlungen durchführen, werden verschwinden. „Kopfarbeiter“ werden wichtiger, Kreativität und Wissen sind Eigenschaften, die in Zukunft noch stärker gefragt sind. Schliesslich sind wir doch noch weit davon entfernt, dass Computer sich selbst programmieren. Der Tourismus wird eine wichtige Branche bleiben, vor allem, wenn wir noch schneller und umweltfreundlicher reisen können.

Berufe, in denen Menschen ständig dieselben Handlungen durchführen, werden verschwinden. „Kopfarbeiter“ werden wichtiger, Kreativität und Wissen sind Eigenschaften, die in Zukunft noch stärker gefragt sind.

Gefahren drohen von Menschen, die sich neue Technologie untertan machen wollen, um andere zu unterdrücken. Das zweischneidige Schwert der Wissenschaft kann einerseits Frieden und Wohlstand, andererseits aber auch Krieg, Armut, ja Vernichtung der Menschheit bewirken. Nur wenn wir es mit Klugheit, Vernunft und Mitgefühl führen, haben wir eine Zukunft.

Buchtitel: Die Physik der Zukunft: Unser Leben in 100 Jahren
Autor: Michio Kaku
Erscheinung: Dezember 2013