Gestern hab ich mir eine Schlaf-App aufs Handy geladen. Die zeichnet meine Schlafqualität auf. Und heute morgen konnte ich auf die Minute genau sehen, wie lange ich im Tiefschlaf war, wie oft ich aufgewacht bin und wie lange ich insgesamt geschlafen habe. Echt spannend! Und schon bald darf ich mit Tipps und Anregungen rechnen, wie ich meinen Schlaf optimieren kann.

Selbstoptimierung ist in. Wir umgeben uns mit immer mehr Gadgets, die uns vermessen und uns sagen, wie wir noch gesünder, noch effektiver, noch erfolgreicher, noch schöner und noch glücklicher werden. Vielen stösst der Begriff der „Optimierung“ in Bezug auf die eigene Person sauer auf, weil er doch eher in die Wirtschaft gehört: Man optimiert Zeitpläne, Kosten und Prozesse. Aber sich selbst?

Selbstoptimierung ist aber nichts Neues. Wer an seiner Persönlichkeitsentwicklung arbeitet – sei es autodidaktisch über die Lektüre von Büchern oder mit Unterstützung eines Mentors, Coachs oder Therapeuten, versucht, sich selber zu optimieren. „Optimum“ ist lateinisch und bedeutet „das Beste“. Gemeint ist das unter den gegebenen Umständen bestmögliche Ergebnis. Optimierung bedeutet also, alle Variablen so einzusetzen, dass am Ende das beste erreichbare Resultat steht. So gesehen sind wir ständig daran, uns und unser Leben zu optimieren. Wir möchten möglichst erfüllt leben, glücklich sein, unsere Talente entfalten, uns im Job verwirklichen, als Persönlichkeit reifen, uns weiterbilden. Das Streben nach Verbesserung hat somit nicht nur mit Profitmaximierung in der Wirtschaft zu tun, sondern ist Kern des Menschseins. Irgendwie zieht es uns ständig nach oben.

Wir möchten möglichst erfüllt leben, glücklich sein, unsere Talente entfalten, uns im Job verwirklichen, als Persönlichkeit reifen, uns weiterbilden. Das Streben nach Verbesserung hat somit nicht nur mit Profitmaximierung in der Wirtschaft zu tun, sondern ist Kern des Menschseins.

Wir finden, dass es etwas Schönes ist, sein Bestes zu geben. Das Gefühl, die Komfortzone zu verlassen und über sich hinauszuwachsen, ein Erfolgserlebnis zu haben, trägt wesentlich zum Lebensglück bei. Wer startet schon ein Projekt mit dem Ziel, es besonders schlecht umzusetzen? Niemand! Im Gegenteil: Der Mensch will gut sein in dem, was er tut. Überforderung kann etwas Schreckliches sein, aber genauso frustrierend ist das Gefühl, unterfordert zu sein und sein Potenzial, seine Talente nicht einbringen zu können. Sich seiner Stärken bewusst zu sein und in diese zu investieren, ist eine wunderbare Sache, denn Stärken wachsen und dehnen sich aus, wenn man in sie investiert. Die eigenen Schwächen und Engpässe zu kennen und zu wissen, wie man mit diesen umgehen kann, dass sie nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, ist ebenso dienlich.

Die Kraft, nach einem besseren Selbst zu streben – so sagen viele Philosophen – ist eine Tugend. Wenn sich jeder nur noch auf die Schulter klopft und sich sagt, es sei ja alles ganz gut, so wie es ist, versiegt das Potenzial, etwas zu verändern. Insofern ist meine neue Schlaf-App jetzt nicht der Welten-Beweger, aber da wir immerhin rund ein Drittel jedes Tages mit Schlafen verbringen, wäre ein Optimum an Qualität hier erstrebenswert. Selbstoptimierung im Schlaf – gefällt mir!

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