Die aktuelle Wirtschaftsordnung stösst an ihre Gren­ze. Die auf Effizienz und Wachstum getrimm­te Industriegesellschaft häuft materiellen Überfluss an. Sie hat einer breiten Masse Sicherheit beschert, aber durch eine starke Vermögenskonzentration auch eine gefährliche Ungleichheit geschaffen. Die Schere zwischen den Gewinnern, die immer reicher werden, und den Verlierern öffnet sich weiter und weiter. Und die Digitalisierung beschleunigt diese Entwicklung. Dieses Buch zeigt: Wenn uns nachfol­gende Generationen und unser Planet wichtig sind, führt an einer gerechteren, verantwortungsvolleren Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung kein Weg vorbei.

Unsere drei liebsten Take Aways aus dem Buch:

01 KOLLABORATION, GLEICHHEIT, GEGESEITIGKEIT

Höher, weiter, schneller – und das ganze möglichst billig. So könnte man das Credo in Worte fassen, das unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung prägt. Unternehmen produzieren mehr und mehr. Es überlebt jener Anbieter, der am fittesten ist. Die Sucht nach beständigem Wrirtschaftswachstum ist zum Mantra geworden, das Tag und Nacht wiederholt wird. Wachstum ist der Garant für Wohlstand und beides ist untrennbar miteinander verbunden. Dieser Ansatz stammt aus einem Zeitalter, das von Mangel und Knappheit beherrscht war. Wachstum führte aus der Armut. Aber stehen wir heute nicht längst an einem ganz anderen Ort? Leben wir nicht in einer Welt des Überflusses? Eigentlich wissen wir doch: Es hat mehr als genug für alle. Wir müssten es nur gerecht und gleich verteilen. Die Menschheit zahlt denn auch einen hohen Preis, denn vor lauter Markteffizienz, Produktivitätssteigerung und Wachstumsgläubigkeit sind uns wichtige humane Grundwert abhandengekommen: jene der Kollaboration, der Gleich­heit und der Gegenseitigkeit. Drei Werte, die wir uns wieder mehr bewusst machen und in unser Denken und Tun einbinden sollten.

02 DIE HERAUSFORDERUNG UNSERER GENERATION

Der Bruch mit dem «Immer-noch-mehr» muss dringend kommen. Die ungleiche Wohlstandsverteilung ist eine Gefahr für den Frieden. Wir müssen unsere Systemgläubigkeit ablegen und die vorherrschende «Wachstumslogik» durchbrechen. Der technische Fortschritt und die Digitalisierung schaffen beste Voraussetzungen für eine nachhalti­ge Veränderung. Die digitale Welt mit ihrer Ökono­mie 3.0 ist dabei, unsere Vorstellungen vom Markt zu verändern. Der Zugang zu Kapital wird wichtiger als sein Besitz. Und auch der Besitz von Dingen wird zunehmend in Frage gestellt, weil er die Mobilität einschränkt und Platz braucht. Materielles verliert an Wert, der Zugang zu Netzwerken gewinnt an Bedeu­tung. Innerer Reichtum wird wichtiger als äusserer und die Suche nach Gemeinsamkeiten mit anderen verdrängt das Bedürfnis, sich von ihnen unterschei­den zu wollen. In der Ökonomie 3.0 ist der Mensch gleichzeitig individualisiert und vernetzt. Er ist Pro­du­zent und Konsument, Kunde und Anbieter. Der digitale Zugang zu unerschöpflichen Know-how-Quellen, zu Kooperationen und zum Austausch von Ressourcen steht über der Produktivität und Kon­kur­renz­fähigkeit, die noch die Ökonomie 2.0 be­herrscht haben.

03 DIE DIGITALE STAMMESGESELLSCHAFT

Fakt ist: Die Aera des Mangels war gestern. Heute herrscht Überfluss – wir müssen die Güter nur gleichmässiger verteilen. Und wir haben heute alle technischen Mittel, um eine vernünftige und ge­rech­te Verteilung zu garantieren. Damit wären wir beim Prinzip des Tausches: Der Tausch ist das älteste Ordnungsprinzip menschlicher Gesellschaf­ten. Die Digitalisierung legt die Basis, um eine ganz neue Form von Tauschgesellschaft einzuführen. Eine auf sehr viel höherem Niveau als früher und unter Berücksichtigung all der Learnings und Krisen und Probleme, die der bisherigen Wirtschaftsordnung zugrunde lagen. Die Autoren sind sich sicher: Der Weg in eine bessere Welt führt gewissermassen zurück in die Zukunft: «Wenn wir es schaffen, die Sozialstrukturen und die politische Organisationsform früher Stammesgesellschaften mit den technischen Errungenschaften der Gegenwart smart, sprich mit mehr Verteilungsgerechtigkeit zu verbinden, haben wir eine Chance.»

Als Grundwerte einer solchen digitalen Stammesge­sell­schaft sehen die Autoren den Fort­schritt, die Gegenseitigkeit und die Gleichheit. Die neuen Anliegen einer solchen Gesellschaft: Ethik, Gerechtigkeit und ein nachhaltiges Gleichgewicht. Die neue Tauschwirtschaft einer solchen digitalen Stammesgesellschaft beruht nicht mehr auf Gier, sondern auf selbstbestimmter Kooperation und Gegenseitigkeit. Eine wirklich erstrebenswerte Vision, finden wir.

 

Buchtitel: Aufstieg der digitalen Stammesgesellschaft: Die neue grosse Transformation
Autoren: Oliver Fiechter und Philipp Löpfe
Erscheinung: September 2016