Das Thema „Berufung“ ist ein regelrechter Hype. Überall wird in Endlosschlaufe die Botschaft verkündet, dass das persönliche Lebens- und Arbeitsglück im Finden seiner Berufung liegt. Und dabei ist die Annahme, dass Arbeit nicht nur eine Notwendigkeit ist, sondern dass sie uns Geld, Erfüllung und Sinn bringen soll, ein neuzeitliches Thema unserer wohlhabenden Welt. Es ist natürlich begrüssenswert, wenn der Job uns all dies bringt, aber es ist auch eine sehr grosse Aufgabe, für uns und für unsere Jobs. Kein Wunder, dass rund um „Berufung“ und „Jobzufriedenheit“ sehr viel Konfusion und Frustration herrscht.

Viele Ratgeber empfehlen zusammengefasst: Kündige deinen Job. Follow your dreams. Alles wird gut. Aus unserer Sicht ist „Kündige einfach deinen Job, um deinen Träumen zu folgen, und der Erfolg wird kommen“ jedoch nur bedingt ein guter Karriereratgeber. Wir glauben viel mehr an den reflektierten Prozess.

Wenn ich eine Sache in meiner langen eigenen Suche nach der Berufung gelernt habe, dann ist es folgendes: Seine Berufung zu finden bedeutet weniger, die eine, richtige Antwort zu kennen, sondern viel mehr, bereit zu sein, die richtigen Fragen zu stellen. Neugierig zu sein. Den Zeichen und seiner Intuition zu folgen. Es geht um den Prozess, die Reise zu vielen sinnvollen Möglichkeiten, nicht um das eine Ziel einer bestimmten Aufgabe bzw. eines bestimmten Jobs.

Um die 90% aller Menschen können spontan nicht sagen, was sie wollen. Egal ob es ums Essen oder um die Karriere geht. Die meisten von uns haben keine Bestimmung, wo eine göttliche Stimme vom Himmel ruft und uns Richtung Buchhaltung, Therapeut oder Meeresforschung leitet. Wir haben lediglich kleine Ahnungen und Hinweise, die uns unsere Vorlieben und Leidenschaften erahnen lassen. Und hier müssen wir ansetzen und die Expedition „Work Happiness“ Schritt für Schritt beginnen.

Wir haben lediglich kleine Ahnungen und Hinweise, die uns unsere Vorlieben und Leidenschaften erahnen lassen. Und hier müssen wir ansetzen und die Expedition „Work Happiness“ Schritt für Schritt beginnen.

Der zündende Funke kann schon vor deiner Nase tanzen, es kann aber auch länger dauern. Ich selber war viele Jahre verwirrt unterwegs vom ultimativen Tiefpunkt und Burnout bis zu einem Punkt, an dem Arbeit mich wieder froh machte und mir ein Gefühl von Berufung gab. Der Lernprozess gestaltet sich für jeden Menschen anders, es gibt kein Patentrezept. Wichtig ist, dass du dich auf den Weg machst. Und keine Sorge: Es muss bei dir nicht Jahre dauern. Ich war in einem langen Zickzackkurs unterwegs – heute weiss ich (und so arbeiten wir auch mit unseren Mentees), dass es einen gradlinigeren Weg und viele Abkürzungen gibt.

Ein paar Mythen rund um die Berufung möchte ich zusammenfassen und sie aufgrund meiner persönlichen Erfahrung etwas “entspannen“:

Mythos #1: Ziel ist es, die eine, ultimative Berufung zu finden.

Wahrheit #1: Anstatt nach deiner Berufung zu suchen, suche die Verbindung zwischen deiner Arbeit und deiner Absicht (was du für die Welt tun willst). Bei JOBLOVERS empfehlen wir, den Fokus auf fünf Puzzleteile zu legen:

  1. Dein Mindset.
  2. Deine Talente und Stärken.
  3. Deine Werte.
  4. Den Impact, den du mit deinen Talenten & Stärken auf die Welt haben willst.
  5. Das Umfeld bzw. die „Gemeinschaft“, mit der du dich umgeben möchtest.
  6. Realitäts-Check & finanzielle Vereinbarkeit mit deiner gewünschten Lebensqualität

Mythos #2: Ich muss den perfekten Job finden.

Wahrheit #2: Niemand ist perfekt. Auch kein Job. Jeder Job hat Aspekte, die schlicht keinen Spass machen. Konzentriere dich auf die Aspekte der Arbeit, die dir leichtfallen, sowie auf das Gesamtbild, wie du deine Arbeit zur Erfüllung deiner Mission nutzen kannst. Zu wissen, dass deine Arbeit zielgerichtet ist, und zu denken, dass sie auch perfekt sein muss, sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.

Mythos #3: Du solltest tun, was du liebst.

Wahrheit #3: Ja, das ist der Idealfall. Aber der mindestens genauso erfüllende Weg kann es sein, statt zu tun, was du liebst, das zu lieben, was du tust. Konzentriere dich auf die Menschen oder das Thema/die Sache, der du mit deiner Arbeit „dienen“ willst. Die harte Wahrheit ist: Erfüllende Arbeit ist nichts Romantisches und kein Strandurlaub, den man mit dem Glückslos gewinnt. Stattdessen erfordert sie viel Hingabe und Fleiss. Es ist meine Überzeugung und Empfehlung: Denke über den Zweck nach. Wenn du eine sinnvolle Arbeit finden willst, fixiere dich nicht (nur) auf das, was du liebst, sondern diene dem Zweck/den Menschen, die du liebst.

Mythos #4: Du musst dein eigener Chef sein, um Erfüllung im Job zu finden.

Wahrheit #4: Quatsch. Jeder Mensch ist anders. Sinnvolle Arbeit kann bedeuten, Unternehmer, Co-Worker, Mitarbeiter, Mutter oder etwas dazwischen zu sein. Diese Welt braucht hungrige Unternehmer UND Mitarbeiter, die in Unternehmen arbeiten und Veränderungen von innen heraus bewirken. Manchmal kann man einen grösseren Unterschied machen, wenn man für jemand anderen arbeitet und seine Mission mit dieser in Einklang bringt, als dass man selber ein Unternehmen gründet. Und umgekehrt.

Du weisst, dass du das Potenzial zur Erfüllung deiner Berufung schon in dir trägst. Wenn du glaubst, du warst bisher auf der falschen Spur oder hast wertvolle Lebenszeit an einem sinnlosen Job vergeudet, dann will ich dich einladen, diese Perspektive jetzt gleich über Bord zu werfen. Andrea und ich waren jeweils über 15 Jahre in Marketing & Kommunikation unterwegs – und können heute alles wieder brauchen und anwenden, was wir je gelernt haben, einfach in einem ganz anderen Kontext und einer anderen Verknüpfung.

Warum wir hier auf dieser Erde leben, können wir nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Aber wir können unser Leben entscheidend vereinfachen, wenn wir alles, was wir erleben und oft auch erleiden, als Lernmöglichkeit betrachten und davon ausgehen, dass Lernen für unser Leben lebenswichtig ist. Alle Erfahrungen deines Lebens gehören zu dir und zu deinem Lernprozess. Keine Erfahrung ist umsonst, sie ist ein Baustein auf dem Weg zu vielen möglichen Momenten, die man als Berufung erleben kann.

Mach dir also keine Sorgen, du und dein Leben sind sich einfach am „ent-wickeln“, im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist, wie es ist, und es ist genau richtig so.

Enjoy the ride,
Nadine