Als Chrysalis wird der Zeitraum bezeichnet, in welchem sich die Metamorphose eines Insekts vollzieht. Also die Zeit, in der sich die Raupe in der Puppe befindet bevor sie zum Schmetterling wird. Wir alle erleben Chrysaliszeiten (manchmal auch mehrmals im Leben), in denen wir uns neu ausrichten und sich unser Leben und/oder unsere Arbeit justiert.

Ich habe sie schon 3x – mit mehr oder weniger Drama – durchlebt. Auf jeden Fall war es für mich immer die Zeit der ultimativen Verwirrung. Des absoluten Nicht-Wissens und Verloren-Seins. Verknüpft mit der Tatsache, dass ich irgendwie grad weder Raupe noch Schmetterling – und somit gefühlt gesellschaftlich „unpräsentierbar“ – war.

Vor allem war es in solchen Zeiten besonders schwierig, wenn mich Leute nach meinem Job gefragt haben. Die Frage „Und, was arbeitest du?“ war das Grauen. Ich wusste einfach nicht was ich sagen soll. Ich mochte nicht mehr die Marketing-Kommunikations-Fachfrau sein, aber ich wusste auch nicht, was ich denn sonst bin. Cocktailpartys gehörten in dieser Zeit nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung :-).

Ich glaube, in solchen Phasen suchen die meisten von uns Rückzug, damit die „Metamorphose“ und Neuausrichtung an einem geschützten Ort passieren kann. Wir brauchen Privatsphäre, Intimität und Abgrenzung.

Was können wir also während der Chrysaliszeit tun?

  • Benenne es als das, was es ist. Nenne es Chrysaliszeit.
  • Wisse, dass es normal und nur vorübergehend ist.
  • Erlaube dir „Cocooning“, aber achte darauf, dass du dich nicht isolierst und weltfremd wirst. Die Isolation ist nicht zwingend das beste Übungsfeld, um sich zu „ent-wickeln“.
  • Akzeptiere die Phasen, in denen es schwierig ist.
  • Sei dir bewusst, dass du den Prozess nicht pushen kannst.
  • Aber denke daran, dass du dem Prozess helfen kannst.

Du kannst den Prozess beschleunigen, indem du dich dem stellst, was passiert und es ans Licht lässt. Eine der wichtigsten Zutaten für die Weiterentwicklung ist Hingabe. Das bedeutet auch unangenehme Gefühle zu fühlen, ungute Gedanken zuzulassen und zu verstehen, dass es eben nicht immer nach erdachtem Plan läuft. Wenn wir annehmen was ist und aufhören zu bekämpfen, kann echte “Ent-Wicklung” geschehen.

Im Gespräch oder auch beim Schreiben (Tipp: Intuitives Schreiben eignet sich besonders gut) kannst du dem, was nicht mehr passt, eine „Form“ geben. Andrea und ich erleben es selbst immer wieder, dass sich Themen, die Ewigkeiten in unseren Gedanken gekreist sind, plötzlich wie von selbst klären, sobald wir in unseren Monday-Blues-Meetings darüber sprechen. Allein dadurch, dass wir es für ein Gegenüber in Worte fassen mussten. Und wusstest du, dass sich die Chance auf “Erfolg” um rund 70% steigert, wenn man ein Ziel aufschreibt (idealerweise von Hand)?

Wusstest du, dass sich die Chance auf “Erfolg” um rund 70% steigert, wenn man ein Ziel aufschreibt (idealerweise von Hand) ?

Uns begegnen so viele Menschen, die glauben, dass sie keine Idee, keine Vision haben. Aber ganz ehrlich, eines der grossen Learnings aus meinen Chrysaliszeiten ist, dass keine Vision eines Nachts vom Himmel fällt. Eine Idee für das, was als nächstes kommt – der nächster Job, das nächstes Projekt, die Berufung etc. –  steht nicht fertig „geformt“ und mit einer To-Do-Liste vor unserer Tür. Sie kommt durch Ahnungen, ein Kribbeln im Bauch, durch Puzzleteile, die langsam ein Bild ergeben, durch kleine Schritte, einen nach dem anderen aneinander gereiht.

In der Chrysaliszeit gibt es grosse Fragezeichen über die Zukunft, aber es gibt auch immer Zeichen.

Nirgendwo investieren wir mehr produktive Lebenszeit als in unsere Arbeit. Ich habe viele Jahre gebraucht, um den für mich besten und geilsten und genialsten Job zu finden (keine Angst, das kann auch deutlich schneller gehen). Was ich dir unbedingt mit auf den Weg geben will ist: Wenn deine Vision zu 95% leer ist, formuliere die 5%, die du sehen, erahnen kannst – die ersten Funken, die leisen Intuitionen, die allgemeine Richtung.

Wenn deine Vision zu 95% leer ist, formuliere die 5%, die du sehen, erahnen kannst – die ersten Funken, die leisen Intuitionen, die allgemeine Richtung.

Diese 5% bereiten den Boden für die nächsten Schritte. Wenn du in der verwirrenden Chrysaliszeit bist, ist das deine Arbeit:

  1. Akzeptieren.
  2. Mitgefühl für dich und deine Lebensphase.
  3. Darüber sprechen oder schreiben.
  4. Experimentierfreudige Auseinandersetzung mit dem was sich zeigt.
  5. Vertrauen in den Prozess.

Andrea und ich laden dich ein, deine Fragen oder Gedanken in der Facebook-Gruppe “Deine neue Lust auf den besten und geilsten und genialsten Job der Welt” mit uns zu teilen. Vielleicht haben wir (oder jemand anderer in der Gruppe) einen ganz wertvollen Input, oder wir können dir die entscheidende Frage stellen, die dich weiterbringt.

BEGINNE da wo du bist mit dem was du hast, statt zu versuchen von dort wo du bist wegzukommen. Auf jeden Fall wünsche ich dir von Herzen eine neugierige, erhellende und zuversichtliche Chrysaliszeit.

Alles Liebe,
Nadine

 

PS: Inspiriert von Tara Mohr: www.taramohr.com